Pastor Helmut Gwiasda

Ein Predigtinterview mit Pastor Helmut Gwiasda

Osterkirche: Seit Jahren, Herr Gwiasda, halten Sie regelmäßig Gottesdienste in der Osterkirche. Und nun ist erstmal eine Gottesdienstpause auch für Sie. Der Gottesdienst am 29. März kann nicht stattfinden.

Helmut Gwiasda: Gottesdienst in unserer Osterkirche mitzufeiern und mitzugestalten, ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens im Ruhestand geblieben. Nach der Absage für den 29. März freue ich mich, immerhin auf diese Weise einen Gruß zu sagen.

Osterkirche: Sie waren schon vorbereitet und hatten den Gottesdienst samt Predigt schon länger im Gepäck.

Helmut Gwiasda: Ja, ich hatte mich auf den besonderen Sonntag in der Passion gefreut. Den ganzen Text meiner Predigt hier darzustellen, wäre zu lang für den Leser. Aber das Bibelwort um das es geht, ist sehr aktuell, nicht nur für ältere Menschen. Es geht um das Bibelwort: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebr.13,14).

Osterkirche: Das klingt sehr persönlich.

Helmut Gwiasda: Es geht mir nicht nur um mich, sondern um die übergreifende Frage: Warum sollte ich mein Leben, mein ganzes Leben als Wanderschaft begreifen?
Ich bin unterwegs und bleibe in Bewegung, weil ich auf ein Ziel zugehe, das größer ist als die Ziele, die ich mir je ausdenken könnte. Der getaufte Christ, der den Hebräerbrief schrieb, hat die Tore nach vorne offen gesehen, erhofft. Wir haben – manchmal gegen den Augenschein - eine große Zukunft.

Osterkirche: Sie betonen die Taufe.

Helmut Gwiasda: Ja, weil da eine andere Sicht auf das Leben erscheint. Durch die Taufe, so wie mein Glaube es mir sagt, habe ich Anschluss bekommen an das neue Leben aus Gott. Für mich  stehen unerschöpfliche Reserven göttlicher Versprechen, Zusagen, Verheißungen bereit. Gott hat in meiner Taufe versprochen, dass er mich niemals loslassen will. Ich bleibe an seiner Hand. Mein Leben aus den Eltern abgeleitet, wird vergehen. Das neue Leben, das Gott in Taufe und Glauben mit mir angefangen hat, wird bleiben, wird über den Tod hinaus bestehen, wird sich weiter entfalten.

Osterkirche: Sie sind jetzt mittendrin in Ihrer Predigt.

Helmut Gwiasda: Das neue Leben, das von Gott kommt, hat einige herausragende Eigenschaften. Es ist immer quellfrisch. Es behält immer seine Energie. Es wird niemals müde oder gar alt. Es langweilt sich nie. Es bleibt immer in einer schöpferischen Bewegung. Es setzt sich niemals irgendwo ab, um zu erstarren. Das neue Leben, das von Gott kommt und mit ihm verbunden bleibt, kann nicht sterben.

Neues Leben von Gott oder aus Gott ist stärker als der Tod. So jedenfalls behauptet die Bibel. Sie behauptet auch, dass unser Leben, das wir auf Vater und Mutter zurückführen, nicht diese Qualität hat wie das neue Leben aus Gott.

Osterkirche: Das Leben als Wanderschaft ist also nie sich selbst überlassen?

Helmut Gwiasda: Die Antwort liegt auf der Hand: wegen meiner Taufe. Weil ich getauft bin. Ich bleibe also nicht resigniert stehen und gebe nicht auf. Deshalb sollen die getauften Christen ihr Leben als Wanderschaft begreifen, auf die schöne Zukunft mit Gott und bei Gott. Dann werden Frieden und Gerechtigkeit für immer und für alle herrschen, wovon wir einen kleinen Vorgeschmack kennen.

Osterkirche: Wie wir Sie kennen, hätten Sie doch bestimmt auch eine Anekdote zum Abschluss …

Helmut Gwiasda: „Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. In der Tür fragt der Tourist erstaunt: „Und wo sind ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“ erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise!“ Der Mönch lächelt: „Wir auch.“
                                                                                  (aus: Typisch, kleine Geschichten für andere Zeiten, S.47)  

Ich wünsche Ihnen allen Zuversicht aus dieser Richtung unseres Glaubens und:
Bleiben Sie gesund!