Pfingsten - damit was bleibt ...

Ich erinnere einen Jugendgottesdienst mit vielen Jugendlichen. Und ein Refrain schwang lange mit:

Gib mir was, irgendwas, das bleibt.

Silbermond - so heißt die Gruppe, die diesen Song geschrieben und gesungen hat - ein Lied, das den Nerv von so vielen trifft in dieser Zeit und Welt - und das nicht nur von jüngeren Leuten..

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit
irgendwas das bleibt.
dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.

Gib mir was, das bleibt. Diese Bitte schwingt in allen Pfingstliedern mit.

Die Antwort auf diese Bitte liegt in lauter Wörtern der Bewegung: zwischen lauter Gehen und Kommen, zwischen lauter Kommen und Gehen.

Was bleibt? Was bleibt uns - was haben wir als bleibend erfahren?

Da sind auch wir gefragt - da ist jeder und jede einzelne von uns gefragt als freier Christenmensch - was ist das, das mir spürbar bleibt, was mir spürbar hilft, was mich spürbar trägt? Was ist das, das Wahrheit und Lüge kraftvoll und heilsam für mich unterscheidet? Was ist das, das mir ein Stückchen Vergewisserung schenkt?

Ich selber spüre das am meisten bei Trauerfeiern hier in der Kirche - viele Augen, die fragen: gib mir was, das bleibt!

Was habe ich zu geben? Was habe ich aufgeschrieben zwischen den schwarzen Buchdeckeln - Worte ewigen Lebens - biblische Verheißungen hineingelegt in ein Netz von Lebensgeschichten und Fragmenten, die ich wahrgenommen habe - und da sind noch so viele Fäden, die nicht zu fassen sind.

Fürchtet euch nicht. Seht, ich sende euch meinen Boten, den Tröster, den Mutmacher, den Beistand, den Helfer, den Vermittler, den Fürsprecher - kurz: den heiligen Geist.

Was ich da oft spüre und was bleibt, ist eine Kraft, die mir zukommt, die mir zufliegt, die mir zuweht, die mir zugehaucht wird - eine Kraft, die nicht mir gehört, die ich nicht besitze - vor allem dann nicht, wenn ich sie für mich behalten will. Diese Kraft wirkt besonders da, wo sie sich mitteilt, wo sie sich teilt - so wie bei den Jüngern mit ihren Flammen auf dem Kopf. Bitten wir also darum, immer und immer wieder, das etwas bleibt zwischen allem Kommen und gehen, Gehen und Kommen - so wie ein Lied es singt:

Komm, heilger Geist, mit deiner Kraft,/ die uns verbindet und Leben schafft

Frohe und gesunde Pfingsten
                                             Ihr Pastor Bernd Andresen

 

... statt Gottesdienst

Rogate heißt dieser Sonntag, Betet.Wiebke Ewert

Aber wie machen wir das eigentlich, wo machen wir es, wann, wie oft? Warum und wozu? Fragen über Fragen..

„Wenn du aber betest, dann geh in dein Kämmerlein und schließe die Tür hinter dir zu“ sagt Jesus (Matthäus 6,6)

Aber muss ich eine bestimmte Haltung einnehmen, muss ich bestimmte Dinge sagen, darf ich bestimmte Dinge nicht sagen? Wie mache ich das mit dem Gebet? Am besten nicht so viel nachdenken, einfach mal anfangen! Aber wie fange ich an?


Ich habe als Kind gelernt, dass wenn man betet, man Gott nicht gleich mit Klagen und Bitten kommen soll, nicht mit der Tür ins Haus fallen, erstmal Danke sagen. Sozusagen eine „Höflichkeitsetikette“ im Gebet wahren, als müsste man Gott gnädig stimmen, als wüsste er nicht, was mir auf der Seele liegt! Und als wüsste er nicht, was ganz tief hinter meinen Bitten steht, das was ich selber vielleicht gar nicht weiß oder nicht in Worte fassen kann.

Das, was mir auf der Seele brennt, was mir auf dem Herzen liegt, muss raus. Ich muss es loswerden, ganz dringend. Und dann ist es gut, wenn ich eine Adresse habe, wo ich es loswerden kann. Was mich beschäftigt und umtreibt kann ich natürlich auch meinen Freunden erzählen, oder meiner Familie, vielleicht auch meinen Arbeitskollegen. Aber ist das bei ihnen gut aufgehoben?  Glücklich, wer einen Menschen hat, bei dem er sein Herz ausschütten kann, aber wir sind alle Menschen, wir verstehen Dinge nicht immer so, wie sie gemeint sind, wir haben nicht immer Zeit, nicht immer ein offenes Ohr für die Dinge, die uns andere mitteilen wollen. Wie schnell gibt es Missverständnisse, fühlt sich mein Gegenüber falsch verstanden. Nein, wir können nicht immer alles bei anderen abladen, das wäre zu viel verlangt.

Aber was ist denn der Sinn des Gebetes, warum beten wir? Was geschieht denn eigentlich im Gebet?

Die Beantwortung dieser Frage könnte wohl ganze Bücher füllen.

Bei Gott ist alles gut aufgehoben, was mir auf der Seele liegt. Ich kann ihm ganz unverstellt alles bringen was mich umtreibt, sei es die große Freude, sei es die große Wut oder die Verzweiflung und Klage. Gott hebt nicht den Finger und mahnt. „Nun reiß dich aber mal zusammen“, er klopft mir auch nicht wohlwollend-tröstend auf die Schulter: „Na, wird schon wieder, musst nicht weinen, ist nicht so schlimm“.

Nein, Gott nimmt mich ernst. Er hält mich aus – und: er hält mich, gerade wenn ich haltlos bin.

Alles das, was in mir ist, darf sein. Und indem ich es zu Gott bringe, bei ihm unzensiert alles sagen kann, kann ich mich wieder neu sortieren, kann mich orientieren, zur Ruhe kommen, zu Atem kommen. Und das, was sein darf, kann sich dann auch ändern. Aber dazu muss ich es ans Licht holen, aussprechen. Dann können sich Dinge für mich ändern. Und eben nicht so, dass Gott mit den Fingern schnipst und alles ist gut, also so, wie ich es gerne hätte, sondern vielleicht eher so, dass ich einen klareren Kopf bekomme, dass ich mein Gefühlschaos verdauen kann, in neue Form bringen kann. Dass dann etwas Neues entstehen kann.

Das Gebet ist wohl so vielfältig, wie wir Menschen auch sind.

Ich habe gelesen, Gebet sei ein „Aufmerken“. Das scheint mir passend. Aufmerken, schauen was da ist, wahrnehmen, anschauen, hören. Gebet ist auch hören, nicht nur reden.

Das Entscheidende ist, denke ich, dass Gott da ist, wenn wir beten. „Gott ist gegenwärtig“ heißt es in einem Gesangbuchlied, ich muss ihn nicht „heranbeten“, ich muss keine „Gebetsetikette“ wahren, damit er mich hört. Und er hört mich, auch wenn ich nichts davon spüre und meine, mein Gebet geht nicht weiter als bis zur Zimmerdecke.

Wenn ich keine Worte habe, kann ich mir welche leihen, ich kann Lieder zu Hilfe nehmen -- egal ob aus dem Gesangbuch oder Pop Songs --, ich kann Gedichte nehmen oder Psalmen. Ich kann das Gebet nehmen, das Jesus uns gegeben hat, was Christen auf der ganzen Erde seit Jahrhunderten beten: das Vaterunser.

Wenn aber auch geliehene Worte nicht passen, dann ist auch Schweigen ein Gebet. Gott ist da, ich bin da, und ich öffne mein Herz, halte es Gott hin. Das ist Gebet, und es wird nicht vergeblich sein. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft!“ (Psalm 66,20)

Und ich freue mich auf den Sonntag, wenn wir wieder mit vielen Menschen gemeinsam in unserer Kirche beten können!

Bis dahin beten wir für uns in unserem „Kämmerlein“ oder auch draußen beim Spazierengehen, beim Radfahren, beim Unkraut jäten oder wo auch immer.

Ihre Wiebke Ewert

 

zum 10. Mai

sabine denecke 2

Gottesdienst ist JPG‚…aber der Gottesdienst ist doch das Zentrum der Gemeinde!!!

Wie oft höre ich diesen Satz! Schon vor der Corona-Krise wurde er in bestimmten Situationen immer wieder angeführt:

  • Wenn es um die Beteiligung verschiedener Gruppen am kirchlichen Leben ging
  • Wenn wieder mal irgendwelche Zahlen gegeneinandergestellt wurden
  • Wenn darüber gerungen wurde, was wirklich wichtig ist

Nun hat die derzeitige Situation uns unsere Prioritäten gehörig durcheinandergeworfen. Seit zwei Monaten hat es keinen sonntäglichen Gottesdienst in gewohnter Form mehr in unserer Osterkirche gegeben. Orgelspiel und Gemeindegesang, Gebet und Abendmahl, freundliche Gespräche vor und nach dem Gottesdienst – das alles fehlt mir sehr. Und dennoch! Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir auch auf andere Weise in gutem, engem Kontakt bleiben können. Dass Sie diesen Text jetzt lesen ist ja auch Ausdruck von neuen Wegen!

Nun soll es langsam möglich sein, auch den Kirchraum wieder zu nutzen. Wie schön! Und die Sehnsucht ist (auch bei mir) groß. Doch die letzten Wochen haben auch gezeigt, dass manches einen anderen Wert bekam. Und es gibt so viele andere schöne, zarte Pflänzchen neuer Ideen, die überall aufblühen. Da lohnt es sich, nochmal zu schauen, woran wir unser Tun messen können. Und dann neu bewerten:

Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer im 12. Kapitel:

Das Leben als Gottesdienst

1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Wenn man Paulus genau nimmt, geht es ihm nicht um die feiertägliche Gottesdienstfeier. Ihm geht es um eine Haltung für das gesamte Leben.

Vielleicht ist es ja diese Erinnerung, die uns helfen kann, zu schauen, wie wir jetzt Schritt für Schritt die Dinge wieder erobern, die uns lieb sind, und gleichzeitig die Dinge nicht wieder verlieren, die wir in den Wochen der Krise bisher gelernt haben.

Und dann kann ich den Satz vom Anfang plötzlich auch ganz anders verstehen:

Ja, natürlich ist der Gottesdienst das Zentrum der Gemeinde! UND so vieles kann Gottesdienst sein:

Einkaufen für Ältere ist Gottesdienst

Einsame anrufen ist Gottesdienst

Anlächeln ist Gottesdienst

Eine Kerze anzünden ist Gottesdienst

Hilfe anbieten ist Gottesdienst

Zuhören ist Gottesdienst

Für andere Menschen beten ist Gottesdienst

Zuhören ist Gottesdienst

Nächstenliebe ist Gottesdienst

… ist Gottesdienst

Fällt Ihnen auch noch etwas ein, was für Sie Gottesdienst ist?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Sonntag und freue mich auf ein Wiedersehen … im Gottesdienst (wo auch immer).

Ihre Pastorin Sabine Denecke

 

zum 3. Mai
Kennen Sie auch das Unwesen eines Ohrwurms?
Er nistet sich oft ganz überraschend bei einer Person ein und lässt diese nicht mehr los - den lieben langen Tag nicht.
So ein Ohrwurm ist zur Zeit mein persönlicher Begleiter. Ungefragt ist er da.
Und er erinnert mich an alte Zeiten.

„Komm lieber Mai,
und mache die Bäume wieder grün“.

Dieses Lied geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

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Es füllte während meiner Schulzeit in jedem Frühjahr die Musikstunde. Im Chor, in der Klasse, später im Klavierunterricht gehörte es einfach dazu.

Nun ist also die Erinnerung wieder da.

An diese bekannten Töne und Reime.
Der Untertitel des ursprünglichen Liedes heißt:
„Fritzchen an den Frühling“.
Mozart hat es vertont mit leichten Textänderungen. Diese Version ist zum Volkslied geworden.

Der Text: Ein Kinderwunsch nach den langen Wintertagen in der engen Stube.
Ein Lied voller Sehnsucht nach der erwachenden Natur,
nach Draußen-Sein, nach Freiheit, nach dem Herausgehen aus einer einengenden Wohnung.
Ich höre Sehnsucht nach Freiraum zum Spielen und Herumtollen.
Dazu die Lust und Freude an der erwachenden Natur.

Ich glaube dieses Lied zeigt in wunderbarer Weise die Stimmung, die so Viele von uns erfasst hat Und die Verse sprechen aus, was Menschen in dieser Zeit ersehnen:
Raus aus den vielen Beschränkungen.
Zurück in ein normales Leben.
Mit den ersten leichten Lockerungen und Ausgangsmöglichkeiten trotz anhaltender Corona-Krise beginnt es ja bereits sachte und zart.

„und lass mir an dem Bache die kleinen Veilchen blüh’n!
Wie möchte ich doch so gerne
ein Veilchen wieder seh’n!“

Ja, es macht froh und glücklich, die Natur von ihrem Winterschlaf erwachen zu sehen.
Die Blumen blühen, das Laub der Bäume wächst und zeigt sich in einem wunderschönen Grün. Das lässt mein Herz leicht werden.
Das tut meiner Seele gut und mich füllt mich mit einem Gefühl der Dankbarkeit.

In einem anderen Vers heißt es:
„Doch wenn die Vögel singen,
und wir dann froh und flink
auf grünem Rasen springen,
das ist ein ander Ding!“

Singen und springen.
Wie das Vieh, wenn es zum ersten Mal im Jahr auf die Weide geht. Das Muhen ist weit zu hören und manches schwergewichtige Rindvieh springt mir allen Vieren in die Luft.
Kinder wollen tollen und spielen.
Eine kleine Videosequenz zeigte mir meinen jüngsten Enkel auf seinem neuen Laufrad. Da wurde nicht nur gelaufen, sondern gleichzeitig lauthals gejuchzt. So soll Leben sein.
Froh. Lustvoll. Dankbar.

Ich schaue ich auf den Psalm für den kommenden Sonntag Jubilate. Es ist der Psalm 66. Hier singt ein Psalmbeter, dem buchstäblich das Herz übergeht. Alles und jeden will er mit hineinnehmen in seinen Lobgesang. Er spricht aus, was ich beim Anblick der erwachenden Natur vielleicht nur erahne oder spüre.
Dankbarkeit und Grund zum Lob.
Alles Land bete dich an und lobsinge dir.
Beim Anblick der Werke Gottes kann niemand unberührt bleiben.

Der Sonntag hat seinen Namen vom Psalm.
Jubilate – Jauchzet Gott alle Lande.
Zu diesem Sonntag gehört aber nicht nur der wunderbare 66. Psalm, sondern mit der Lesung aus dem Alten Testament hören wir die Schöpfungsgeschichte.
Gott erschafft Himmel und Erde.
Er ruft Pflanzen und Tiere ins Leben.
Er schafft ihren Lebensraum.
Und am Ende erschafft er den Menschen, dass dieser hüte und bewahre.
Gottes Wort: Gott sah, dass es gut war - ist Segen und Verpflichtung zugleich.
Damit es gut bleibt.
Für uns.
Für unsere Kinder und Enkel.
Für Fritzchen, der mit Ungeduld und Sehnsucht das Ende der langen, engen Winterzeit erwartet hat.

 

 

... statt Konfirmationen (zum 25./26. April)Der gute Hirte

Eigentlich wäre jetzt ein volles Konfirmationswochenende mit vier festlichen Gottesdiensten. Die Feiern sind immer noch unbestimmt verschoben. Das ist schmerzlich. Die jungen Leute fehlen.

Dazu eine Szene:
Es ist noch nicht lange her, da strömten die Konfirmanden über den Hof auf das Gelände aus und immer wieder um den Turm herum - mit dem Psalm 23 auf den Lippen -zum Auswendiglernen. Von außen betrachtet - es war schönes Wetter, Leute auf dem Weg zum abendlichen Friedhof - von außen betrachtet eine Art 'Performance'.
Das war schon spannend. Nicht alle zu dieser Uhrzeit (KU erst um 17 Uhr) frisch motiviert. Aber alle im Kampf oder im Gespräch mit dem Text - und hier und da mit den Friedhofsbesuchern (die sich vielleicht an Ähnliches erinnerten).

Die nächste Stufe war dann das Aufsagen, das Hersagen. Suchende Augen. Glückliche Gesichter, wenn geschafft. Wort für Wort, in etwa. Und ein interessiertes Pastorengesicht bei den vielen kreativen Neuformulierungen. Denn das ist ja doch die Frage, was bleibt hängen von diesen alten Worten?

  • du salbst meine Haut (statt: mein Haupt) mit Öl.
    Eine schöne Assoziation hin zur Berührung. Was für ein Gefühl, für eine Nähe drückt sich in diesem Versprecher aus (Salbungsgottesdienste etwa leben davon )
  • Gutes und Gütigkeit (statt: Barmherzigkeit) werden mir folgen immerdar
  • ... wenn ich durch Finsterheit komme (statt: durch finstre Tal)
  • oder einfach nur das 'Du' von Anfang an - Du bist mein Hirte!

Das war Leben drin. Und ich glaube, dem Schöpfer der alten Worte, Luther, hätte das gefallen.

Eine Woche später standen zwei Konfirmanden vor mir (wir treffen uns pro Jahrgang 14tägig im Wechsel). Sie wollten aufsagen! Und das war nicht verabredet! Wer da wohl alles beteiligt war bei diesen alten Worten ...
In Ruhe, guter Betonung dann je eine 'Meditation' - ohne Abwandlung in eigene Akzente.

Was davon bleibt?

Oft klingt der Psalm 23 fest vertraut. Bei der Goldenen Konfirmation war da sogar mal richtig Inbrunst, feierliche Inbrunst hineingelegt! Da war Lust (nicht nur) an diesem Psalm.

Wenn ich mal schlecht schlafe (und das ist nicht so selten), versuche ich die Gedanken nicht zu weit laufen zu lassen und versuche manches aufzusagen, was ich mal auswendig gelernt habe. Psalm 23 gehört zum festen Repertoire - neben einigen Liedern, wo die Melodie dann mitläuft. Text und Ton halten sich gegenseitig besser.

Und auch das kommt vor. Wenn am Sterbebett vertraute Worte gesprochen werden, Psalm 23, bewegen sich Lippen oft mit.

Und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar

Das wäre doch eine gute Aussicht für die Tiefendimension einer solchen Performance. Hoffentlich werden wir das innerhalb dieses Jahres noch feierlich verfestigen.

 

 

 

 

 

Der Weiße Sonntag Luther zwinkert(zum 19. April)
- Gedanken von Martin Luther zur (neuen Geburt in der) Taufe

Von Martin Luther wird bekanntermaßen erzählt, wie er durch Anfechtungen und andere Tiefen hindurch immer wieder gerufen habe:
Ich bin getauft, ich bin getauft - was soll mir geschehen.

Woher die Gewissheit?

Im Kleinen Katechismus führt er aus:

Was ist die Taufe?

Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden. Denn: [allein] Wasser tut' s freilich nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser traut. Denn ohne Gottes Wort ist das Wasser schlicht Wasser und keine Taufe; aber mit dem Worte Gottes ist's eine Taufe, das ist ein gnadenreiches Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist.                               (M.Luther, Kleiner Katechismus 1529)

Aber: damit, dass du lässt Wasser über dich gießen, hast du die Taufe noch nicht empfangen und festgehalten, dass sie dir etwas nützt. Ohne Glaube ist sie zu nichts nütze, ob sie gleich ein göttlicher, überschwänglicher Schatz ist. Aber da gehört Kunst dazu, dass man solches glaube. Denn es mangelt nicht am Schatz, aber daran mangelt es, dass man ihn ergreife und festhalte. Darum hat ein jeder Christ sein Leben lang genug zu lernen und zu üben an der Taufe.

Ein Christenmensch ist immer im Werden.

Darum soll ein jeglicher die Taufe halten als sein tägliches Kleid, darin er immerdar gehen soll, dass er sich allezeit in dem Glauben und seinen Früchten finden lasse. Das heißt recht in die Taufe gekrochen und täglich wieder hervorgekommen.                   (M.Luther, Großer Katechismus 1529).

Die Taufe heißt auf Griechisch baptismos und auf Lateinisch mersio. Gemeint ist damit, dass man etwas so tief in Wasser taucht, dass es über ihm zusammenschlägt. […] Denn zweifellos kommt das Wort Taufe in der deutschen Sprache vom Wort Tiefe, das heißt, dass man tief ins Wasser hineinsenkt, was man tauft. [...] Das Aus-der-Taufe-Heben geschieht ebenfalls rasch, aber die Bedeutung, nämlich die geistliche Geburt, das heißt die Mehrung der Gnade und Gerechtigkeit, beginnt zwar in der Taufe, währt aber auch bis zum Tod, ja bis zum Jüngsten Tag. Dann wird allererst vollendet, was das Aus-der-Taufe-Heben bedeutet, dann werden wir vom Tod, von Sünden, von allem Übel auferstehen, rein an Leib und Seele, und ewig leben. [...]

Den Glauben ficht der Teufel am meisten an. Wenn er den umstößt, dann hat er gewonnen. [...] solange ich glaube, dass mir Gott die Sünde nicht zurechnen will, ist die Taufe kräftig und sind die Sünden vergeben, obwohl sie noch größtenteils dableiben. [...] Darum darf man an ebendieser Vergebung nicht zweifeln.

(M.Luther, Ein Sermon von dem heiligen hochwürdigen Sakrament der Taufe 1519)

 

 

Kirche für daheim ...  Frohe OsterKirche web  (Gruß von Christel Parusel)

Liebe Kirche, 
da ich nicht zu Dir kommen kann, habe ich ein neues Rezept ausgedacht.


Ich nehme:
1. die kleine Broschüre von Anselm Grün (die gab´s es bei Verlag Beig) "Frohe Ostern",
2. lege Klebe und Schere bereit,
3. schneide die Illustration, die mir Imke Stotz, für meine Alliteration "Traumhochzeit" vor einigen Jahren geschenkt hat,
    und platziere sie so, dass aus Frohe Ostern unsere Frohe Osterkirche wird:
4. Fertig ist meine Kirche für daheim!

Da blättere ich und lese und finde Dinge, die weit über Ostern hinaus wirken können.
So wie die Texte, die ich bei Dir vor dem Altar, hören konnte, auch oft nachwirken.
Du siehst, mein Rezept ist für mich vorerst gelungen.
Ich hoffe, dass Du bald Deine Türen wieder offen hältst für alle, vielleicht nicht alle mit einem Mal - Abstand halten bleibt wohl weiter angesagt ...

Tschüß bis zum Wiedersehen oder -hören

ach, das ist ja nicht ganz korrekt,
ich höre Dich täglich, Deine Glocken sprechen,
aber Du mich nicht,
deshalb habe ich Dir geschrieben.Bleib auch Du gesund

Christel Parusel

 

 

 

Ostern – einmal andersWiebke Ewert

Ostern beginnt in unserer Gemeinde eigentlich immer mit der Osternacht der Jugendlichen am späten Karsamstag. Diese Nacht endet mit einem Gottesdienst früh am Ostermorgen zur Sonnenaufgangszeit. Es ist noch dunkel in der Kirche wenn die ersten Besucher eintreffen, man unterhält sich nur im Flüsterton, es ist eine ganz besondere Atmosphäre. Sehr feierlich ist es, wenn dann die neue Osterkerze in die dunkle Kirche getragen wird und ihr Licht weitergegeben wird an alle, die gekommen sind. Langsam verbreitet sich das Licht und vertreibt die Dunkelheit. Währenddessen wird der Altar neu eingedeckt mit allem, was dazu gehört: Bibel, Blumen, Kerzen.

Und schließlich öffnen wir die große Tür zum Friedhof, die Sonne geht auf, Vögel singen, die Glocken läuten und wir spüren etwas von diesem großen, besonderen Moment des Ostermorgens.

Später dann, im Gottesdienst um 11 Uhr erfüllt Orgel- und Posaunenmusik die Kirche, wieder läuten die Glocken, es ist Ostern!

Und dieses Jahr? Die Bild-Zeitung brachte vor einigen Tagen auf der ersten Seite eine große Schlagzeile: „Ostern fällt aus!“ Wie dumm, dachte ich. Nein, Ostern fällt nicht aus. Die Glocken werden läuten, ein paar Posaunenklänge werden unter freiem Himmel erklingen, feiern werden wir trotzdem. Nicht in großer Gemeinschaft, leider jeder eher für sich, aber Ostern ist trotzdem, trotz allem! Und dieses TROTZDEM ist so groß dieses Jahr, größer als sonst. Das Leben siegt über den Tod, Jesus ist auferstanden, ein besseres Zeichen gibt es nicht zu dieser Zeit: die Dunkelheit endet, wie lang und tief sie auch war.

Es ist Ostern, trotz allem!

Und ich freue mich schon jetzt auf Ostern 2021, das wird ein Fest!

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen allen

Wiebke Ewert

 

 

 

 

 

Gedanken über Gründonnerstag hinaus ...Pastorin Sabine Denecke

Liebe Osterkirchengemeinde,

‚Ich habe mich entschieden zu glauben!‘

Dieser Satz kam mir letzte Woche in einem Lied entgegen. Auf Englisch, in einem Gospelsong, den Menschen gesungen haben, als sie - zur Sklaverei gezwungen – nach Hoffnung und Halt gesucht haben.

Ich habe mich entschieden zu glauben … das klang in meinen Ohren im ersten Moment ganz unaufgeregt. Ja, klar entscheide ich mich immer wieder für den Glauben. Glauben ist ja nichts, was mir immer gleich selbstverständlich zur Verfügung steht. Es gibt Zeiten, in denen sprudelt der Glaube und es gibt Zeiten der Dürre und des Zweifels. Das ist meine Lebenserfahrung. Und doch klangen diese Worte in unserer jetzigen Situation neu für mich und haben mich ins Grübeln gebracht.

Schon die Lage der versklavten Menschen, die diese Zeile zuerst gesungen haben, ist völlig anders (und für mich kaum vorstellbar) als unsere Situation heute. Wie war es den Menschen damals möglich, sich auch in den ausweglosesten Situationen für den Glauben zu entscheiden? Das ringt mir Hochachtung und Staunen ab. Alle meine Lebenskrisen und auch die Coronakrise fühlen sich erträglicher an im Vergleich zu einem Leben in Unfreiheit, Gewalt und ständiger Bedrohung. Wie geht das, in einer solche Situation sich zum Glauben zu entscheiden? Es wäre falsch zu behaupten, dass ich davon auch nur eine Ahnung habe.

Am Gründonnerstag hinüber zum Karfreitag liegt es nahe, zu schauen, ob die Erfahrungen dieser Tage helfen können auf der Suche nach Hinweisen darauf, wie solche Glaubensentscheidungen möglich sind.

Die Bibel berichtet von den inneren Kämpfen, die Jesus ausgetragen hat, als er im Garten Gethsemane zu Gott betete. Er ahnte bereits, dass sein Weg zu einem gewaltvollen Ende kommen würde. Und dennoch betete er zu Gott, dass dieser Kelch an ihm vorbeigehen möge. Und dann betete er weiter: ‚…doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!‘ (Mt 26, 39). Dies ist für mich der Moment, wo Jesus sich (wieder) dazu entscheidet zu glauben. In der tiefsten Verzweiflung sagen zu können ‚dein Wille geschehe‘, scheint mir der Moment der Entscheidung zu sein.

Mir wird klarer, dass es nicht darum geht, in aller Souveränität eine Entscheidung zu treffen. Sondern es geht darum, in aller Verzweiflung zu dieser Entscheidung zu finden.

Das ist ein Loslassen, ein Sich-Fallen-Lassen und gleichzeitig ein Sich-Neu-Ausrichten und auch Aufrichten. Bewegungen die, wenn ich sie innerlich nachvollziehe, aufwühlen und berühren.

Jesus macht es uns vor: die Lage verändert sich dadurch überhaupt nicht. Er erwartet weiterhin das Ende. Im Garten Gethsemane werden gleich die römische Söldner kommen und ihn verhaften. Und dennoch entscheidet er sich zu glauben: dein Wille geschehe!

Ein Gründonnerstag ohne Feierabendmahl, ein Karfreitag ohne Momente des Miteinander-Aushaltens, ein Osterfest ohne die Möglichkeit in der Erfahrung der Gemeinschaft die Freude zu teilen. Das ist für uns als Christen eine besondere Herausforderung. Die Momente der Einsamkeit Jesu im Garten eröffnen mir den Blick für den Trost und den Halt im Glauben.

So erbitte ich für uns alle den Beistand unseres Gottes in dieser Zeit. Dass wir in den reduzierten Möglichkeiten trotzdem die Verbindung halten können. Dass wir einzeln und gemeinsam den Moment erleben können, in dem wir uns dazu entscheiden können zu glauben. Und dass wir im Beten des Vaterunser dieser Bitte neue Kraft geben können: Dein Wille geschehe!

Vielleicht so, wie es Dietrich Bonhoeffer möglich war, als er schon in Haft saß und gegen alle äußeren Bedrohungen an glauben konnte:

Ich glaube,
dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes
entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten
dienen lassen.
Ich glaube,
dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandkraft geben
will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns
selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft
überwunden sein.
Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind,
und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden,
als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Ich glaube,
dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige
Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

 

Gesegnete Tage wünscht Ihnen

Pastorin Sabine Denecke

 

 

Predigtgedanken zum Sonntag PalmarumSilke Bürger

Liebe Gemeinde,

in dieser besonderen Zeit, in der persönliche Kontakte weitgehend eingeschränkt sind, haben Telefongespräche und E-Mails eine besondere Bedeutung. So erreichte mich gestern eine Nachricht, die mit den Worten endete: Ich wünsche uns allen, guten Mutes zu sein, dass wir gut und sicher durch diese herausfordernde Zeit kommen und uns danach gesund wiedersehen!

Mir hat das sehr gefallen, vor allen Dingen der Hinweis auf den  guten Mut! Denn ihn werden wir alle brauchen! Gegen alle Fakenews, gegen alle Ignoranz und fehlende Einsicht in gesunde Vorsichtsmaßnahmen. Wir erleben in diesen Tagen eine Vielzahl von ganz unterschiedlichen Gefühlen und Einsichten.

Was hat das alles mit dem kommenden Sonntag, dem Palmsonntag, zu tun?

Nun, Palmarum ist ein Tag des großen Beifalls und Jubels, gleichzeitig aber auch der Auftakt zur Karwoche. Es ist die Woche, in der das Leiden Christi auf den Höhepunkt, den grausamen Tod am Kreuz zustrebt. Am Palmsonntag hören wir von großer Freude, allgemeinem Zuspruch und Jauchzen der Volksmenge. Jesus kommt mit seinen Jüngern nach Jerusalem. Menschenlaufen ihm entgegen. Alle wollen ihn sehen. Diesen  Mann, der Krankheiten heilt und sogar einen Menschen dem Tod entreißen kann. Sein Fuß soll nicht vom Staub beschmutzt werden. Zum Schutz legen die Menschen Kleidung aus auf Jesu Weg. Man könnte denken, sie bereiten einem Herrscher, ja einem König den Empfang.

Doch halt, irgendetwas stört an dem Bild. Da ist eine tiefe Diskrepanz. Der in die Stadt einziehende Mann reitet auf keinem stolzen Ross, sondern schlicht auf einem Esel. Dem Last- und Tragtier der Menschen seiner Zeit und seiner Heimat. Hören Sie gerne selbst die Geschichte, gelesen von Rufus Beck:

Johannnes - Ev. 12,12-19 (gelesen von Rufus Beck)

Copyright-Nachweis: Bibeltext gelesen von Rufus Beck aus: Die große Luther-Hörbibel 2017, © 2019 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

Der Christushymnus aus dem Philipperbrief deutet das Geschehen.
er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an,
ward den Menschen gleich
und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.
Er erniedrigte sich selbst
Und ward gehorsam bis zum Tode.
Auch uns als Kirche und Gemeinden hält Jesus einen Spiegel vor. Nur eine dienende Kirche wird Zukunft haben.
Wenn ich die Geschichte von Jesu Einzug in Jerusalem bedenke, habe ich augenblicklich Bilder dieser Tage vor Augen.
Ich sehe eine von hohen Mietshäusern gesäumte Straße.
Auf der Fahrbahn reihen sich mehre Feuerwehrwagen und Rettungsfahrzeuge aneinander. Sie alle lassen zu abendlicher Stunde ihr Blaulicht flackern und leuchten. An den Fenstern und auf den Balkonen Menschen, die den Rettungskräften zusehen, rufen und applaudieren. Über den Lautsprecher spricht ein Mitmensch  Worte des Dankes.
Am nächsten Tag höre ich in den Nachrichten:
In Paris haben einzelne Krankenpfleger in ihrem Zuhause die schriftliche Aufforderung von Nachbarn erhalten, doch während der „Corona-Zeit“ woanders zu wohnen und zu schlafen.
Heute „Hosianna“ – morgen „kreuzige ihn“.
Liebe Gemeinde,
ich wünsche uns allen – jedem Einzelnen von uns –
guten  Mut, beständige Hoffnung und tragenden Glauben,
damit wir gut und menschlich durch diese krisenhaften Wochen und Monate kommen.
Ihre Silke Bürger 

 

 

 

Konfirmandengedanken zum Einzug Jesus nach Jerusalem - PalmarumSzenenbild

Kleider auf dem Weg – Gedanken zu einer Szene

  • Merkwürdige Szene. Ein verlassener Platz.
  • Reste liegen da rum. Klamotten sind verstreut. Was war da los?
  • Kein Mensch zu sehen. Menschenleer.
  • Aber es müssen welche da gewesen sein. Sieht noch ganz frisch aus, was da liegt.
  • So bisschen wie auf Fluchtwegen. Wenn Leute gelagert haben und weiterziehen.
  • Im Hintergrund eine Stadt. Viele Häuser am Hügel. Mit einem großen Gebäude ganz oben.
  • Sieht ja ganz friedlich aus. Vielleicht sind da welche. Vielleicht sind sie da alle.
  • Aber wieso liegen noch so viele Sachen rum?

Die Szene und seine Geschichte

Jesus war mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem. Er verhielt sich anders als sonst, ernst und geheimnisvoll zugleich. Als sie die Stadt sehen konnten, schickte Jesus zwei seiner Jünger los. Sie sollten einen Esel holen. Die Jünger sahen ihn verwundert an. Wozu brauchte er einen Esel? Da fiel ihnen ein, was sie aus den Büchern der Propheten gehört hatten:
Freue dich Jerusalem: Denn siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer,
in Armut zeigt er sich und wird auf einem Esel reiten.
War es das, was Jesus wollte: als ein solcher König nach Jerusalem kommen?

Nun war es soweit. Sie kamen vor das Tor und tatsächlich strömten von allen Seiten Menschen herzu. Sie riefen und jubelten Jesus zu: Hosianna dem, der da kommt im Namen des Herrn. Manche kletterten auf Bäume, um ihn zu sehen. Manche legten Palmzweige auf den Weg, manche breiteten ihre Mäntel vor ihm aus. Hochstimmung jetzt auch bei denen, die bei ihm waren. Nun musste sich zeigen, wer er war.

Und Jesus selbst? Er grüßte friedlich. Aber eine ernste Stimmung lag auf ihm. Es lag etwas in der Luft. Jesus sah auch die anderen, die sich abseits hielten und dunkle Mienen zeigten.

Nachgedanken

  • Nun verstehe ich - die Kleider sind der Weg für Jesus.
  • Wie ein roter Teppich für einen hohen Gast.
  • Und alle sind dann mit ihm in die Stadt, um zu sehen, wie es weitergeht.
  • Dann gehen wir doch schnell hinterher - vielleicht bekommen wir noch was mit.

 

 

 

 

Ein Predigtinterview mit Pastor Helmut Gwiasda
(27. März 2020)

Osterkirche: Seit Jahren, Herr Gwiasda, halten Sie regelmäßig Gottesdienste in der Osterkirche. Und nun ist erstmal eine Gottesdienstpause auch für Sie. Der Gottesdienst am 29. März kann nicht stattfinden.

Pastor Helmut Gwiasda

Helmut Gwiasda: Gottesdienst in unserer Osterkirche mitzufeiern und mitzugestalten, ist für mich ein wichtiger Bestandteil meines Lebens im Ruhestand geblieben. Nach der Absage für den 29. März freue ich mich, immerhin auf diese Weise einen Gruß zu sagen.

Osterkirche: Sie waren schon vorbereitet und hatten den Gottesdienst samt Predigt schon länger im Gepäck.

Helmut Gwiasda: Ja, ich hatte mich auf den besonderen Sonntag in der Passion gefreut. Den ganzen Text meiner Predigt hier darzustellen, wäre zu lang für den Leser. Aber das Bibelwort um das es geht, ist sehr aktuell, nicht nur für ältere Menschen. Es geht um das Bibelwort: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebr.13,14).

Osterkirche: Das klingt sehr persönlich.

Helmut Gwiasda: Es geht mir nicht nur um mich, sondern um die übergreifende Frage: Warum sollte ich mein Leben, mein ganzes Leben als Wanderschaft begreifen?
Ich bin unterwegs und bleibe in Bewegung, weil ich auf ein Ziel zugehe, das größer ist als die Ziele, die ich mir je ausdenken könnte. Der getaufte Christ, der den Hebräerbrief schrieb, hat die Tore nach vorne offen gesehen, erhofft. Wir haben – manchmal gegen den Augenschein - eine große Zukunft.

Osterkirche: Sie betonen die Taufe.

Helmut Gwiasda: Ja, weil da eine andere Sicht auf das Leben erscheint. Durch die Taufe, so wie mein Glaube es mir sagt, habe ich Anschluss bekommen an das neue Leben aus Gott. Für mich  stehen unerschöpfliche Reserven göttlicher Versprechen, Zusagen, Verheißungen bereit. Gott hat in meiner Taufe versprochen, dass er mich niemals loslassen will. Ich bleibe an seiner Hand. Mein Leben aus den Eltern abgeleitet, wird vergehen. Das neue Leben, das Gott in Taufe und Glauben mit mir angefangen hat, wird bleiben, wird über den Tod hinaus bestehen, wird sich weiter entfalten.

Osterkirche: Sie sind jetzt mittendrin in Ihrer Predigt.

Helmut Gwiasda: Das neue Leben, das von Gott kommt, hat einige herausragende Eigenschaften. Es ist immer quellfrisch. Es behält immer seine Energie. Es wird niemals müde oder gar alt. Es langweilt sich nie. Es bleibt immer in einer schöpferischen Bewegung. Es setzt sich niemals irgendwo ab, um zu erstarren. Das neue Leben, das von Gott kommt und mit ihm verbunden bleibt, kann nicht sterben.

Neues Leben von Gott oder aus Gott ist stärker als der Tod. So jedenfalls behauptet die Bibel. Sie behauptet auch, dass unser Leben, das wir auf Vater und Mutter zurückführen, nicht diese Qualität hat wie das neue Leben aus Gott.

Osterkirche: Das Leben als Wanderschaft ist also nie sich selbst überlassen?

Helmut Gwiasda: Die Antwort liegt auf der Hand: wegen meiner Taufe. Weil ich getauft bin. Ich bleibe also nicht resigniert stehen und gebe nicht auf. Deshalb sollen die getauften Christen ihr Leben als Wanderschaft begreifen, auf die schöne Zukunft mit Gott und bei Gott. Dann werden Frieden und Gerechtigkeit für immer und für alle herrschen, wovon wir einen kleinen Vorgeschmack kennen.

Osterkirche: Wie wir Sie kennen, hätten Sie doch bestimmt auch eine Anekdote zum Abschluss …

Helmut Gwiasda: „Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. In der Tür fragt der Tourist erstaunt: „Und wo sind ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“ erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise!“ Der Mönch lächelt: „Wir auch.“
                                                                                  (aus: Typisch, kleine Geschichten für andere Zeiten, S.47)  

Ich wünsche Ihnen allen Zuversicht aus dieser Richtung unseres Glaubens und:
Bleiben Sie gesund!